Mittwoch, 19. Februar 2014

Ausgenudeltes Gewinde am Kühler

Auch wenn  mein Model T auf den ersten Blick gut aussieht, so offenbaren sich doch bei genauerem Hinsehen einige Schwächen.
Eine dieser Schwächen ist der Kühler, bzw. dessen Befestigung.

Zum einen besteht natürlich die grundsätzliche Unsicherheit, ob dieser noch richtig funktioniert und es auch schafft den Motor ohne Wasserpumpe zu kühlen. Das wird sich später im Fahrversuch zeigen.

Zum anderen ist da die Befestigung des Kühlers. Neben den zwei Schrauben links und rechts unten am Kühler gibt es oben in der Mitte noch einen aufgelöteten Dom, in dem ein Gewinde eingeschnitten ist. Dieses nimmt den sog. Radiator Rod, also die Stange, die von der Firewall (Abgrenzung zwischen Motor und Fahrgastraum) nach vorne geht, auf. Mittels dieser Stange wird der Kühler in der senkrechten Position fixiert.

Leider ist das besagte Gewinde bei meinem Model T ziemlich ausgenudelt, sowohl im Kühler, als auch an der Stange.
Im nächsten Bild habe ich das Gewinde mal nachgemessen, da im Forum von zwei verschiedenen Gewindesteigungen zu lesen ist.


Bei mir handelt es sich um ein UNF 5/16 ''-24 Gewinde, als ein Feingewinde. So soll es original auch sein. Das Bild zeigt den Blick von oben auf die Stange, von unten ist das Gewinde nicht mehr zu erkennen. Ist im Prinzip nicht schlimm, diese Stange gibt es für knapp 12 Dollar neu zu kaufen. Da lohnt sich der Versuch einer Reparatur nicht wirklich.

Ähnlich ausgenudelt sieht das Gewinde leider auch am Gegenstück im Kühler aus. Und das macht mir weit mehr Sorgen, weil sich dieses eben nicht so leicht austauschen läßt.



Oben sind auch hier die Gewindegänge noch einwandfrei zu erkennen, unten jedoch ist quasi nichts mehr vom Gewinde vorhanden.
Da wird man um eine Reparatur nicht umhinkommen.

Aber wer hat schon einen Reparatursatz für ein zölliges Feingewinde?

Mein erster Gedanke war der örtliche Harley-Händler. Der hat tatsächlich eine passende Gewindebuchse samt erforderlichem Werkzeug zum Einbauen vorrätig. Da werde ich nächste Woche mal mit meinem Kühler vorbeikommen um zu sehen, ob man es mit einer Buchse reparieren kann. Das hängt ganz vom erforderlichen Aussendurchmesser der Buchse ab. Ein bisschen "Fleisch" ist schon noch da am Dom, aber üppig ist es nicht.

Samstag, 15. Februar 2014

Motor putzen, Teil 1

Heute stand Motorputzen auf dem Programm. Der Motor ist äußerlich offenbar schon länger nicht mehr sauber gemacht worden. Oben rum ist alles recht trocken, unten rum hängt überall Ölsiff dran. So richtig dicht wird man so einen alten Motor wohl kaum bekommen, ich möchte aber zumindest mal erkennen können, wo das Öl eigentlich herkommt. Vermutlich sind es gar nicht so viele Leckstellen, das Öl verteilt sich durch Vibrationen und Fahrtwind eben mal auf der ganzen Motorunterseite.

Die Putzerei mache ich, wie bei meinen Zweirädern auch, am liebsten mit einem Reinigungsöl für Fahrräder, Borstenpinseln, Lappen und viel Geduld.


Es ist zwar eine recht langwierige Prozedur, aber mit Musik in der Garage und der richtigen innerlichen Einstellung hält man das schon aus. Das Ergebnis kann sich aber durchaus sehen lassen (jeweils ein Bild vorher und dann das Bild nachher):








Wie neu wird der Motor natürlich nicht. Muss er aber auch gar nicht. Man soll ihm das Alter ruhig ansehen.
Besondern unter dem oberen Kühlwasserschlauch sind das Gehäuse und die dort liegenden Schrauben/Muttern teilweise schon recht stark verrostet. Sollte eines Tages mal eine Motorrevision anstehen, dann werde ich das schon ausbessern, momentan belasse ich es so wie es ist. Die Funktion ist mir derzeit wichtiger als die Optik.

Zwei Anmerkungen:
1. Den Stift, der den Zahnkranz auf der Kurbel fixiert habe ich selbst mit derben Hammerschlägen nicht entfernen können. Schade, aber momentan auch nicht tragisch.

 2. Den Timer (Zündzeitpunktgeber) habe ich interessehalber aufgemacht, weil ich sehen wollte um welchen Typ es sich handelt. Wie man auf dem letzten Bild schön erkennen kann, handelt es sich um einen Rollengeber. Es steht absolut nichts drauf. Kein Schriftzug und keine Nummer. Ist also nichts Originales mehr, sondern einer der vielen Nachbauten. Egal, Hauptsache es funktioniert.

Im offenen Deckel sieht man die vier Segmente (silber), jeweils einer pro Zündspule und Zylinder. Von der Funktion her ist das gravierend anders als bei heutigen Zündungen. Es wird nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt exakt ein Zündfunke pro Zylinder erzeugt. Die Rolle fährt über die vier Segmente und es ergibt sich damit für jeden Zylinder ein kleiner Zeitbereich, in dem der Zylinder mehrere Zündfunken erhält. Man kann dies durch ein Summen der Unterbrecher an den Zündspulen hören. Daher nennt sich diese früher nicht unübliche Art der Zündung auch Summerzündung. Darauf werde ich später bestimmt noch einmal genauer eingehen.

Wassereinlassstutzen lackiert

Durch den Ausbau der Wasserpumpe hatte ich natürlich den originalen seitlichen Wassereinlaßstutzen am Zylinder nicht. Den habe ich testweise mal bei der Firma Eberle in Deutschland bestellt. Kompetente Beratung am Telefon und unverzügliche Lieferung sind hier ein Vorteil. Preislich liegt man allerdings meilenweit von den Preisen der amerikanischen Konkurrenten entfernt.

Der neue Stutzen ist ein rohes Gussteil, das ich so natürlich nicht ans Model T schrauben wollte. Also ab in einen Farbenladen in Regensburg und dort nach einer schwarzen Grundierung und einer schwarzen Farbe -am besten nicht hochglänzend -  gefragt. War zwar ein riesiger Laden, letztendlich hat man mir aber nur eine Spraydose anbieten können. Das sei Rostkonverter, Grundierung, Füller und Decklack in einem. Naja, wird schon klappen. Letztendlich kann man damit natürlich nur Kleinteile lackieren. Für größere Flächen ist das zu teuer, die Dose kostet stattliche 15 Euro.


Mit Bremsenreiniger habe ich den Stutzen entfettet und dann den Hohlraum mit Zeitungspapier ausgestopft. Aus einem alten Karton eine "Spritzkabine" gebaut und den Stutzen an einem Draht aufgehängt.


Drei Lackschichten später sah das Ganze dann so aus:


Ich bin mit meiner ersten Lackierarbeit fürs Model T sehr zufrieden. Es ist schwarz und glänzt nicht gar so extrem. Passt.

Sonntag, 9. Februar 2014

Ein erster Blick auf Getriebe, Bänder und Kupplung

Nachdem der Inspektions-Deckel von Getriebe schon mal herunten war, habe ich schnell noch ein paar Fotos gemacht.
Auf den ersten Blick sieht alles ganz passabel aus.


Für diejenigen, die sich noch nie mit einem Model T Getriebe auseinandergesetzt haben:
Links sieht man die Kupplungsfeder. Diese wird durch über die Welle, die im linken Drittel zu sehen ist, betätigt. Entweder über das linke Fußpedal, oder über die Handbremse (Emergency brake).
Nach rechts kommen dann die drei Trommeln (Drums), durch deren Abbremsen, bzw blockieren, das Getriebe "geschaltet" wird. Um die Tromeln herum gehen die Bänder (Bands), in der Regel aus Baumwolle, manchmal auch aus Holz oder ganz modern aus Kevlar. Über den Trommeln sieht man die Wellen, die die Bänder ansteuern. An diesen Wellen sind die drei Fußpedale befestigt.
Auf der rechten Seite unter dem Deckel kann man einen der drei Planetenzahnradsätze sehen. Jeder Planet besteht aus drei verschieden grossen Zahnrädern.

Hier noch mal etwas deutlicher die Kupplungsfeder, oder besser, was man davon sehen kann. Rechts sieht man die Hebel, die letztendlich das Kupplungspaket betätigen.


Das nächste Bild zeigt eine Trommel mit dem zugehörigen Band und der Betätigungswelle. Unter der ersten Trommel befindet sich das Kupplungspaket.
Das einzige was mir hier aufgefallen ist: Wer auch immer dieses Getriebe zusammengebaut hat war sehr sparsam im Umgang mit dem Schraubensicherungsdraht. Funktional erst einmal egal, kann dann kritisch werden, wenn sich eine der Schrauben löst und der Sicherungsdraht nicht hält. Kommt auf meine ToDo Liste.


Hier ist einer der drei Planetenradsätze teilweise zu sehen.



Ich hoffe natürlich, daß es in Sachen Getriebe erst einmal beim Blick durch den Inspektionsdeckel bleibt. Wäre schade, wenn sich im Fahrbetrieb herausstellt, daß das Getriebe defekt ist und man es überholen muss. Dadurch, daß in einem Planetengetriebe ja immer alle Zahnräder im Eingriff sind und sich ausser dem Abbremsen der Bänder dort mechanisch nicht so viel tut, gelten die Model T Getriebe allerdings als relativ robust und unanfällig. Neben der Behandlung durch den Benutzer ist natürlich auch hier der Zahn der Zeit ein entscheidender Faktor
Für mich ist übrigens das Getriebe eindeutig das genialste Teil am Model T. Gut, ich hatte schon immer einen Fabel für Planetengetriebe. Aber die Art und Weise, wie man hier bereits vor über 100 Jahren dieses Getriebe nutzte beeindruckt mich immer wieder. 

Samstag, 8. Februar 2014

Versandaufkleber von der Scheibe entfernt

Nur der Vollständigkeit halber. Bei der Bastelaktion habe ich auch endlich die Versandaufkleber auf der Scheibe entfernt.
Auf dem linken Aufkleber stand der Absender des Fahrzeuges in Amerika und der Zielhafen, sowie eine ID-Nummer. Auf dem rechten Aufkleber war NON RUNNER zu lesen, also die Angabe, dass das Fahrzeug nicht fahrbereit sei.


Da muss wohl so sein, damit nicht irgendein Spezi im Hafen auf die Idee kommt das Fahrzeug aus eigener Kraft zu bewegen.

Das Zeug klebte wie verrückt, konnte aber nach reichlich Einweichen mit Wasser Stück für Stück entfernt werden.




Interessante Getriebeabdeckung

Schon bei der letzten Bastelaktion ist mir aufgefallen, dass der Deckel auf dem Getriebegehäuse nicht aussah wie bei anderen Model T. Da war noch irgendetwas aufgesetzt.
Also habe ich zum ersten Mal die Bodenbretter vorne herausgenommen um mir den Deckel näher ansehen zu können.
Normalerweise ist das ein völlig unspektakulärer Blechdeckel. An meinem Model T sieht er jedoch so aus:


Mal abgesehen von den ganzen Rost ist das eben auch dieser ungewöhnliche Aufsatz im oberen Drittel. In dem Aufsatz ist ein grosser Deckel, der auf einem relativ feinen Gewinde eingeschraubt wird.


Unter dem Deckel befindet sich ein feines Sieb.


Naja, dachte ich mir, bestimmt ein Zubehörteil zum komfortableren Einfüllen des Motoröls.
Schraubendreher raus, Deckel abgeschraubt und dann die Überraschung. Von unten sieht das Teil so aus:


Ich konnte mir keinen Reim auf die zwei Stifte machen. Wer betreibt einen solchen Aufwand um schlicht und ergreifend Motoröl einzufüllen?
Eine kurze Recherche im Internet führte zur zugehörigen Patentschrift 1,464,502 eines gewissen A.J. Evers  Es handelt sich um eine Transmission Greasing Appliance. Mit dieser Vorrichtung wird also kein Motoröl eingeführt, sondern Fett. Dieses Fett gelangt über die beiden Stifte, die am Ende links und rechts einen kleinen Schlitz haben, direkt auf die Betätigung der Getriebebänder. Das soll angeblich den Verschleiss der Bänder vermindern und das Rattern der Bänder verhindern, wenn diese schon etwas abgenutzt sind.
Trotzdem: Welchen Sinn macht es denn eine Mechanik mit Fett zu schmieren, die letztlich sowieso fast in einem Ölbad läuft und durch das umhergeschleuderte Motoröl geschmiert wird?
Auch im MTFCA Forum wurde dieses Zubehörteil, das auch unter dem Namen Red-Cap (Red wegen des roten Universalfettes, das man dort einfüllen sollte) verkauft wurde, im Jahr 2010 mal in einem Thread angesprochen. Tenor: Gehört zu den Dingen, die ein Model T nicht wirklich braucht.

Ist schon interessant, was man sich so alles patentieren lassen konnte.

Das Teil wurde seinerzeit übrigens für ganze 3 Dollar verkauft. Kaum vorstellbar, dass da die Kosten für die Patentschrift wieder hereinkamen.

Ich werde diese Teil jedenfalls durch einen normalen Deckel mit darunter befindlichem Sieb und Magneten ersetzen. Wieder zwei Teile für die immer länger werdende Bestelliste.

Kühlerreinigung

Heute war wieder mal Model T Basteltag.
Nachdem es anscheinend nichts mehr wird mit dem Winter und die Temperaturen in der Garage erträglich sind, habe ich heute versucht den Kühler innerlich zu reinigen. So richtig verdreckt war er nicht, aber überall waren bräunliche Ablagerungen drauf. Kann man schön an der Dichtung des Deckels sehen:


Mechanisch ist dem Ding ja nicht beizukommen, alles viel zu eng. Also muss etwas Chemie ran. Einen ersten Versuch machte ich mit Kukident Reinigungstabletten für dritte Zähne. Mit agressiveren Mitteln habe ich mich nicht rangetraut, nicht dass man mehr kaputt macht dabei.
Also die Schläuche von und zum Motor entfernt und mit einem passenden Stück flexiblem Schlauch vom örtlichen Gummifachhandel "kurzgeschlossen".


Vorher habe ich in den unteren Stutzen noch ca. 10 Kukident-Tabletten reingeworfen. Etwa die gleiche Menge habe ich dann nochmals von oben in den Kühler fallen lassen. Anschliessend warmes Wasser drauf. Wow, in den Kühler mit Schlauch passen fast 10 Liter Wasser.


Beim Eingiessen des Wassers muss man zum Schluss aufpassen, die Tabletten lösen sich auf und schäumen dabei.


Den ganzen Kram habe ich jeweils 15-30 Minuten einwirken lassen und dann wieder abgelassen. Die ganze Aktion habe ich dreimal wiederholt.
Keine Ahnung, ob man den Kühler jetzt als "innerlich sauber" bezeichnen kann, das Wasser war jedenfalls ordentlich braun gefärbt und es schwammen auch allerhand Partikel darin herum.
Hier Bild vom zweiten Durchgang:


Zum Schluss noch zweimal mit Wasser durchgespült und gut wars.

Wie gut der Kühler generell noch funktioniert und ob der Motor ausreichend gekühlt wird, das wird sich im späten Frühjahr zeigen, sobald das Model T auf der Strasse ist.