Montag, 7. Juli 2014

Die "Outside Oil line" und amerikanische 10 Minuten

Eine der Hauptängste der Model T Fahrer war schon zu damaliger Zeit die mangelnde Versorgung des vordersten Kurbelwellenlagers mit Motoröl und der daraus resultierende Motorschaden. Auch wenn sich die Experten bis heute über Sinn einer zusätzlichen Ölleitung streiten, so ganz abwägig ist die Angst vielleicht nicht. Da der Model T Motor ja keine Ölpumpe besitzt, wird das Öl nur vom Flywheel auf der Rückseite des Motors herumgeschleudert. Im Motor gibt es dann eine Inner Oilline, die einen Teil des Öl nach vorne befördern soll zur Schmierung der vorderen Lager. Durch die verwendeten Baumwollbänder im Getriebe und allen möglichen anderen Dreck im Motoröl (Einen Ölfilter hat ein Model T natürlich auch nicht!) bestand die Gefahr, daß diese dünne Ölleitung verstopfte und die Ölversorgung der vorderen Lager nicht mehr gegeben war.

Aus diesem Grund wurde gerne zusätzlich eine sog. Outside Oil Line angebracht. Von Prinzip her nichts anderes als ein Kupferrohr, das ein bisschen Öl am Magneto-Post aufsammelt und aussen am Motor entlang nach vorne leitet und dort wieder in den Motor einlässt.

Laut der Webseite des Model T Teilehändlers Lang's ist das Montieren einer solchen Ölleitung eine Sache, die jeder in 10 Minuten schaffen sollte.



Alleine wenn ich mir das Tütchen mit der Teilesammlung so angesehen habe, kamen mir schon Zweifel an der Sache mit den 10 Minuten.


Neben der eigentlich Oil line in aufgerollter Form befinden sich in der Tüte noch der sog. Magneto-Post inklusive Schrauben und Dichtung. Die Befestigung der Oil line am Magnetopost, sowie das Anschlusstück für das untere Ende der Leitung.

Zunächst habe ich den Magneto Post ausgetauscht. Um den ging es im April schon mal. Siehe Neuer Magneto Post .
Dichtung aufgeklebt, angeschraubt und fertig. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, daß ich das Teil noch zwei Mal wieder ausbauen würde.



Links ist übrigens im Bild noch die alte Outside Oil Line zu sehen. Ja, mein Model T hatte, wie wohl fast alle Model Ts, schon eine Outside Oil Line montiert.

Nun habe ich die alte Outside Oil line ausgebaut. Oben war sie ja schon lose und unten habe ich einfach die Rohrmutter abgedreht. Was soll das denn? Da steckte im Gewinde im Motorblock noch eine Gewindebuche für die Aufnahme der Oil Line. Das war an der neuen Oil Line anders gelöst, also musste dieses Stück Metall da raus.



Nach einigem Überlegen griff ich zum Seitenschneider und drehte das Teil mit Gewalt heraus. Zimperlich brauchte ich ja nicht sein, das Teil wanderte sowieso in den Abfallkorb.


Ging dann letzendlich einfacher als erwartet. Die Gewindebuchse leistete kaum Widerstand.

Bei der neuen Outside Oil Line ist die untere Befestigung im Motorblock etwas schlauer gelöst. Hier ist an der Gewindebuchse noch eine Schlüsselfläche angebracht. Zum Abdichten habe ich noch Teflonband rumgewickelt und den Kram in den Motorblock eingedreht.
Na, denkt jemand noch an die besagten 10 Minuten? Und ich bin noch lange nicht fertig!


Jetzt musste noch die Leitung, die ja zu einer Rolle aufgewickelt war, wieder auseinandergedröselt werden und von Hand so hingebogen werden, daß das Öl ohne Hindernis fliessen konnte. Das Biegen des Kupferrohres ging besser als erwartet. Man muss es eben nur mit der Hand machen und keine kantigen Gegenstände benutzen, weil die Leitung sonst geknickt werden könnte.

Nach ca. einer Stunde !!!!! hatte ich die Leitung dann in eine Form gebracht, die mir gefallen hat.

Der Anschluss unten war auch kein Problem. Ist auf dem Bild noch etwas schief, habe ich später korrigiert.



Die Leitung lief dann in sauberen Bögen nach oben:



Nun ja. Und da kam es dann zum erneuten Ausbauen des bereits verklebten Magneto Post, weil ich nicht bedacht hatte, daß man das obere Anschlusstück nur aufschrauben kann, wenn der Magneto-Post noch nicht auf dem Motorblock verschraubt ist. Mist. Echt peinlich für einen Ingenieur, der sich die Teile vor der Montage minutenlang angesehen hatte, um genau solche Dinge zu vermeiden.

Ein weiteres Mal musste ich den Magneto-Post abschrauben, weil die Teflondichtung beim ersten Versuch nicht richtig angebracht war. Schliesslich war die Leitung aber ordentlich verlegt und eingebaut:


So, und nun noch einmal zu den 10 Minuten: Also ich habe insgesamt fast drei Stunden mit dem Einbau der Leitung zugebracht. Gut, zieht man den Ausbau der alten Leitung und meine Blindleistung ab, dann bleiben aber immer noch zwei Stunden übrig. Typisch Amerika: Werbung ist eben alles.

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